Menschenrechte

Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte bei ALDI Nord

Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte

Als ALDI Gesellschaften sind wir uns unserer Verantwortung für die Achtung von Menschenrechten bewusst. Wir sind davon überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg auf Dauer nur möglich ist, wenn Menschenrechte anerkannt und geschützt werden. Die in den Nationalen Aktionsplänen der Länder verankerten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte stellen für uns die Basis dar, an der wir unser Handeln im Sinne der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht ausrichten. Unser Engagement zielt darauf ab, die negativen Auswirkungen auf Menschenrechte, zu denen wir beitragen, zu erkennen und zu beseitigen. Wir verpflichten uns, regelmäßig und transparent über die Erfolge, Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Leitprinzipien zu berichten.

Der Ansatz der ALDI Gesellschaften zur Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht ist in der untenstehenden Grafik dargestellt.

Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht von ALDI Nord

Grundsatzerklärung

Unser Handeln kann direkt oder indirekt negative Auswirkungen auf die Beschäftigten in unseren Lieferketten haben. Bei der Sensibilisierung für Menschenrechtsfragen sowie bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten und anderen externen Partnern, wie z.B. Regierungen oder Gewerkschaften, kommt uns eine wichtige Rolle zu, um negative Auswirkungen von Geschäftstätigkeiten zu verhindern oder zu mildern. Wir erkennen an, dass Menschenrechtsverletzungen ein globales, systemisch bedingtes Problem sind, das alle Wirtschaftssektoren betrifft. Dabei sind bestimmte Gruppen, wie z.B. Minderheiten und Frauen stärker zu berücksichtigen, da diese potenziell anfälliger für eine Verletzung ihrer grundlegenden Menschenrechte sind. In diesem Zusammenhang sprechen wir uns dafür aus, dass gesetzliche Rahmenbedingungen auf europäischer bzw. internationaler Ebene geschaffen werden.

Unser Ansatz basiert auf dem Verständnis für die Komplexität der Probleme und zielt auf eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse, die wir zur Verhinderung oder Milderung von Menschenrechtsverletzungen einsetzen.
Wir respektieren alle international anerkannten Menschenrechte. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass es bestimmte Menschenrechtsaspekte gibt, die für uns als Händler von erhöhter Relevanz sind, da sich unser Handeln stärker auf sie auswirken könnte. Dazu gehören das Verbot von Diskriminierung, das Recht auf Gesundheit und Sicherheit, die Vereinigungsfreiheit, das Recht auf gerechte Entlohnung, die Einhaltung von Arbeitszeiten sowie das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit.

Um unserer Sorgfaltspflicht als Unternehmen gerecht werden zu können, sind eine klare Ausrichtung sowie eine Verankerung auf der Ebene der Unternehmensführungen notwendig. ALDI hat deshalb eine Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte (PDF, 243 KB) verfasst, in der wir unsere Haltung klar zum Ausdruck bringen.

„Wir begrüßen es sehr, dass sich ALDI Nord in einer separaten Erklärung zur Achtung der Menschenrechte bekennt. Die kontinuierliche Umsetzung von Prozessen menschenrechtlicher Sorgfalt in den eigenen Geschäftstätigkeiten sowie entlang der Geschäftsbeziehungen in der Wertschöpfungskette ist eines der Kernziele der 10 Prinzipien des UN Global Compact und der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.“

Marcel Engel, Leiter der Geschäftsstelle Deutsches Global Compact Netzwerk

Unsere verbindliche CR-Policy sowie die „Zusatzvereinbarung Sozialstandards“ dienen uns und unseren Geschäftspartnern bereits seit Jahren als feste Richtlinien bei der Umsetzung nachhaltiger Lieferketten. Sie definieren unter anderem unsere Erwartungen an angemessene Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie an die Achtung der Menschenrechte innerhalb der Produktionsprozesse unserer Produkte.

Unsere strategischen Ziele

In unserer Strategie des Bereichs Lieferkette & Ressourcen haben wir fünf Ziele mit zugehörigen Maßnahmen entwickelt, die im Zusammenhang mit Menschenrechten stehen. Wir bemühen uns, diese Ziele zu erreichen und die dazugehörigen Maßnahmen bis 2027 umzusetzen, um unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht noch besser nachzukommen. Wir wollen unseren Due-Diligence-Prozess im Einklang mit den UNGPs verbessern, z.B. durch die Entwicklung von Richtlinien zur Vermeidung von Zwangs- und Kinderarbeit, der Förderung der Gleichstellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Umsetzung von Human Rights Impact Assessments (HRIA). Gerade in Bereichen, in denen wir die größte Wirkung erzielen können, wollen wir gemeinsam mit Partnern Projekte umsetzen, z.B. zur Realisierung existenzsichernder Einkommen und Löhne. Wir werden unsere Bemühungen auf dem Gebiet der Messung unserer Wirksamkeit verstärken und unsere Ansätze kontinuierlich erweitern. Darüber hinaus wollen wir bis 2025 wirksame Beschwerdemechanismen in unseren Hochrisiko-Lieferketten implementieren und uns öffentlich für Menschenrechte einsetzen, z.B. durch aktive Teilnahme in Multi-Stakeholder-Initiativen und am politischen Dialog sowie in Expertendialogen mit internationalen Gewerkschaften.  Zusätzlich haben wir Ziele für mehr Lieferkettentransparenz in unsere Strategie aufgenommen.

Ermittlung potentiell negativer Auswirkungen

Die Produktion von Waren entlang komplexer Lieferketten kann nachteilige Auswirkungen auf die Einhaltung der Menschenrechte haben. Wir wissen, dass die größten Risiken häufig im Bereich der Rohstoffgewinnung und -Verarbeitung liegen – unser größter direkter Einfluss liegt jedoch meist in der Endverarbeitung.

Eines unserer strategischen Ziele ist die Integration von Nachhaltigkeit in unsere Einkaufsprozesse, was unser Engagement für die Achtung der Menschenrechte in unseren Einkaufspraktiken ausdrücken soll und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten erfordert. Bereits seit mehreren Jahren führen wir deshalb Lieferantenbewertungen für den Non-Food-Bereich durch. Diesen Ansatz haben wir 2019 für den Food-Bereich mit unseren aktuellen und potenziellen Bananenlieferanten erfolgreich getestet. Ziel dieses Vorgehens ist es, noch mehr als bisher CR-Kriterien in unseren Kaufentscheidungen zu integrieren, die die Nachhaltigkeitsleistung der Lieferanten über Zertifizierungen hinaus widerspiegeln. Zu den bewerteten Kriterien gehört z.B., wie Lieferanten die Arbeitsbedingungen im Ursprung kontrollieren und ob sie Programme unterstützen, die Arbeitern und ihren Familien zusätzliche Vorteile bieten. Wir planen, diese Bewertung bis 2027 auf alle Hochrisiko-Lieferketten auszuweiten. Langfristig wollen wir diese Maßnahmen mit der Entwicklung einer unternehmensweiten Ethical Sourcing Strategie begleiten, um unser Ziel eines nachhaltigen Einkaufs zu erreichen.  

Der Kern unseres Engagements besteht darin, mit unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten, um Fragen oder Probleme zu lösen und eine kontinuierliche Verbesserung entlang unserer gesamten Lieferketten voranzutreiben. Wir verpflichten uns, den Dialog mit unseren Lieferanten aufrechtzuerhalten und gemeinsam die Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte in unseren Lieferketten zu übernehmen. Uns ist bewusst, dass die Lösung von Menschenrechtsfragen aufgrund ihrer Komplexität und Sensibilität einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Es ist nicht unser Ansatz, die Geschäfte mit den Lieferanten einzustellen, sobald Probleme erkannt werden. Wenn Probleme identifiziert werden, versuchen wir gemeinsam mit Lieferanten und Produzenten Lösungen zu entwickeln, um z.B. die Arbeitsbedingungen entlang unserer Lieferketten zu verbessern. Nur im Fall von wiederholten Verstößen und ausbleibenden Fortschritten behalten wir uns die Beendigung der jeweiligen Geschäftsbeziehung vor.

Im Bereich Non-Food verschaffen wir uns regelmäßig ein Bild von Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten in Risikoländern. Dies erfolgt mit Hilfe flächendeckender Sozialaudits und Zertifizierungen, die durch externe Dienstleister durchgeführt werden. Wir betrachten diese Sozialaudits durch Dritte als einen wichtigen ersten Schritt, Informationen über die Einhaltung von Standards in unseren Produktionsstätten zu erhalten. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass durch diese standardisierten Verfahren nicht alle Probleme erkannt werden können. Aus diesem Grund führen auch spezialisierte ALDI Mitarbeiter vor Ort im Dialog mit unseren Lieferanten eigene Produktionsstätten Bewertungen, die sogenannten ALDI Social Assessments (ASAs), durch. Bei diesen Besuchen vor Ort treten wir mit Stakeholdern sowie potenziell betroffenen Gruppen in den Austausch, um eine Missachtung von Menschenrechten besser identifizieren und frühzeitig verhindern zu können. Wir beziehen unsere Lieferanten in diese Prozesse ein. So können wir gemeinsam effektiver mögliche Risiken erkennen und mindern sowie für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

Als Einzelhändler richten wir unseren Fokus insbesondere auf die Identifizierung von menschenrechtsbezogenen Risiken in den Lieferketten. Neben Maßnahmen, wie der Menschenrechts-Risikoanalyse, den Human Rights Impact Assessments oder den Lieferantenbewertungen haben wir die Anzahl der Sozialaudits in unseren Lebensmittellieferketten erhöht. In Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister möchten wir einen fundierten Einblick in die Produktionsbedingungen von Hochrisiko-Lieferketten erhalten, um konkrete Verbesserungen daraus abzuleiten.

"Beyond audit approach"

Sozialaudits durch Dritte sind aus unserer Sicht ein wichtiger erster Schritt, um Informationen über die Einhaltung der Sozialstandards in den Produktionsstandorten zu sammeln und Verbesserungen einzuleiten. Wir sind uns jedoch bewusst, dass sie nicht immer ein vollständiges Bild der Arbeitsbedingungen vermitteln und nicht immer sofort erkennbare Probleme wie Zwangsarbeit, Diskriminierung oder Belästigung abbilden. Wir verfolgen daher einen Ansatz, der zwei Kriterien erfüllt: Erstens soll er über die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Zweitens soll er sich nicht nur auf Sozialaudits stützen, sondern unseren Audit-Ansatz durch zusätzliche Aktivitäten wie eigene Besuche vor Ort, Kommunikation und Schulung von Lieferanten sowie Produzenten, Teilnahme an Multi-Stakeholder-Initiativen und Projekte vor Ort ergänzen. Dauerhafte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erfordern einen derartigen kooperativen Ansatz für den ethischen Handel zwischen den ALDI Gesellschaften und unseren Lieferanten. Mit dem ALDI Factory Advancement (AFA)-Projekt hat ALDI ein wirksames Instrument eingeführt, um in den Fabriken, die in Bangladesch Bekleidung für uns produzieren, Veränderungen herbeizuführen. Das AFA-Projekt wurde 2013 ins Leben gerufen und stellt Fabrikarbeiter und -manager in den Mittelpunkt der Aktivitäten, um nachhaltige Lösungen für bessere Arbeitsplätze zu finden. Dabei steht die Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Managern im Vordergrund. Nur mit dem Engagement und der Eigenverantwortung beider Parteien kann langfristig eine positive Veränderung erreicht werden.

Human Rights Risk Assessments (HRRAs)

Im Jahr 2018 hat ALDI Menschenrechtsrisiken in den Food-Lieferketten flächendeckend mit einem unabhängigen und auf Nachhaltigkeit spezialisierten Dienstleister beleuchtet. Ziel dieser Risikoanalyse war es, für die gesamte Unternehmensgruppe Menschenrechtsrisiken innerhalb unserer Lieferketten auf globaler Ebene zu identifizieren und gleichzeitig zu erkennen, wo wir den größten Einfluss nehmen können. In der Analyse wurde die gesamte Lieferkette untersucht. Der besondere Fokus lag dabei auf Rohstoff- sowie Produktionsebene.

Als Basis für die Erhebung dienten Daten, wie Einkaufsvolumina und Standorte der Erzeuger- und Produktionsstätten sowie globale Handelsdaten der Branche. Zudem wurden zahlreiche anerkannte Indizes und Auswertungen wie der Global Slavery Index, der Environmental Performance Index oder der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International einbezogen.

Bei der Menschenrechts-Risikoanalyse wurden sowohl soziale als auch ökologische Menschenrechtsrisiken entlang den Lieferketten ermittelt. Für jedes Produktions- bzw. Ursprungsland der von uns gehandelten Waren wurde eine Gesamtrisikobewertung vorgenommen. Umweltrisiken wie Klimaanfälligkeit, Wasserknappheit und industrielle Verschmutzung waren ebenfalls Teil der Analyse, da diese Faktoren indirekt Auswirkungen auf Menschenrechte haben können.

Zusätzlich zu dem Risk Assessment durch einen externen Dienstleister, haben wir die Rohstoffe spanischer und italienischer Herkünfte als Hochrisiko-Lieferketten identifiziert. Unsere interne Datenauswertung hat gezeigt, dass wir einen großen Teil unserer Tropischen Früchte aus diesen beiden Ländern beziehen. Die Einstufung als Hochrisiko-lieferkette beruht darüber hinaus auf unserer internen Menschenrechts-Expertise sowie dem Dialog mit fachkundigen Stakeholdern.

Wir werden unsere öffentlich zugängliche Risikoanalyse regelmäßig aktualisieren, um zu zeigen, wie sich die Priorisierung unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht weiterentwickelt. 

Folgende acht Indikatoren wurden in der Analyse betrachtet:

Soziale Risiken

Arbeitnehmerrechte: Risiko, dass Arbeitnehmerrechte verletzt werden, zum Beispiel durch Überschreitung zulässiger Arbeitszeiten, niedrige Löhne, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Mobbing, Belästigung und Missbrauch, Diskriminierung oder Einschränkung der Versammlungsfreiheit.

Geschlechterdiskriminierung:
Bewertet die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen und das Risiko einer möglichen geschlechtsspezifischen Diskriminierung, zum Beispiel durch Missbrauch aufgrund des Geschlechts oder Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bezug auf Lohn und Arbeitsbedingungen.

Kinderarbeit: Risiko, dass Kinder eine Arbeit verrichten, die sich negativ auf ihre Gesundheit und Entwicklung auswirkt oder die Beschäftigung von Kindern im schulpflichtigen Alter.

Zwangsarbeit: Formen der modernen Sklaverei und des Menschenhandels, zum Beispiel durch Ausübung von Druck, Einbehalten von Löhnen oder andere Formen der Nötigung.

Umweltrisiken

Wasserknappheit: Wasserbedarf übersteigt die Verfügbarkeit eines Landes. Damit einher geht der eingeschränkte Zugang zur Wasserversorgung – insbesondere für den persönlichen Bedarf.

Klimaanfälligkeit: Bewertet das aktuelle und zukünftige Risiko eines Landes, extremen Wetterereignissen ausgesetzt zu sein. Zugleich wurde die Bereitschaft des privaten und öffentlichen Sektors, in Anpassungsmaßnahmen zu investieren, beurteilt (zum Beispiel bei Dürre, Flut oder Hurrikan).

Entwaldung / Flächenumwandlung: Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Land Produkte auf Flächen produziert werden, die kürzlich aus Waldflächen mit hohem Erhaltungswert umgewandelt wurden. Dadurch werden Waldflächen zerstört.

Industrielle Verschmutzung: Durch die Herstellung der Produkte entstehende industrielle Verschmutzung, die zu Luft-/Wasserverschmutzung, (chemischen) Abfällen und Lärmbelastung führt.

Die Grafiken zeigen für ALDI wichtige Rohstoffe und Warengruppen, die ein hohes Risiko für Menschenrechtsverletzungen aufweisen und somit als besonders relevant bewertet wurden:

-    Rohstoffebene: 1. Kakao, 2. Kaffee, 3. Nüsse und 4. Südfrüchte
-    Produktionsebene: 1. Fisch und Meeresfrüchte, 2. Obst & Gemüse-Konserven und -Tiefkühlkost, 3. Dressing, Öle, Soßen, Gewürze und Kräuter

Human Rights Impact Assessments (HRIAs)

Um Menschenrechtsprobleme zu beheben, werden wir ab November 2020 damit beginnen, drei Human Rights Impact Assessements (HRIAs) in verschiedenen Food-Risikolieferketten durchzuführen. Ziel ist es zunächst, die direkten und indirekten Auswirkungen unserer Aktivitäten auf Arbeitnehmer und andere betroffene Rechtinhaber zu verstehen. Ein Schwerpunkt soll dabei auf den besonderen menschenrechtlichen Risiken für Frauen und Kleinbauern liegen. Die Assessments sollen zusammen mit erfahrenen lokalen Partnern durchgeführt werden. Dabei werden wir relevante Interessengruppen wie Arbeitnehmer, Erzeugerorganisationen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gewerkschaften berücksichtigen. Im Rahmen der HRIA, werden wir damit beginnen geschlechterspezifische Daten zu aggregieren, um Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in unseren Lieferketten zu identifizieren. Ebenso wollen wir verstehen, wie die Menschen durch ihre Arbeit entlang unserer Lieferketten zum Wert unserer Produkte beitragen. Wir sind bestrebt unsere Datenlage zu verbessern, indem wir die Wirksamkeit unserer Maßnahmen im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Geschlechter und Menschenrechten im Allgemeinen kontinuierlich nachverfolgen. Aus den Ergebnissen der HRIA werden wir weitere konkrete Lösungsvorschläge entwickeln, um unsere menschenrechtliche Sorgfaltspflicht noch besser zu erfüllen. Erste Ergebnisse sowie daraus resultierende Maßnahmen werden wir bis Ende 2021 veröffentlichen. Wir streben an, bis Ende 2025 bis zu 12 HRIA – mindestens ein Assessment für jede Hochrisiko-Lieferkette - durchzuführen und ebenfalls zu veröffentlichen. Über dieses Vorgehen werden wir unsere Hochrisiko-Lieferketten kontinuierlich analysieren.

Maßnahmen und Überprüfung der Wirksamkeit

Das Thema Menschenrechte in den globalen Lieferketten ist sehr komplex und erfordert eine intensive Auseinandersetzung und einen ganzheitlichen Ansatz, um langfristige Verbesserungen erreichen zu können. Unsere Risikoanalyse betrachten wir als wichtigen Ausgangspunkt, um wesentliche potenzielle Menschenrechtsrisiken entlang unserer Lieferketten zu identifizieren und entsprechende Schwerpunkte bei unserer Arbeit zu setzen.

Wir werden daher einen besonderen Fokus auf die durch die Analyse ermittelten Risikorohstoffe Kaffee, Kakao, Nüsse und Südfrüchte in den relevanten Ursprungsländern legen.

Ergänzend dazu, setzen wir bereits heute eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen zur Reduzierung von Menschenrechtsrisiken in unseren Food- sowie Non Food-Lieferketten um:

  • Schulung relevanter Mitarbeiter
  • Berücksichtigung etablierter Auditierungs- und Zertifizierungsstandards beim Einkauf sowie Definition von Nachhaltigkeitszielen, beispielsweise in unseren Einkaufspolitiken
  • Qualifizierung von Produktionsstätten im Rahmen des ALDI Factory Advancement Project (AFAP)
  • Lieferanten-Schulungen
  • Lieferantenbewertung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit Lieferanten, die eine gute CR-Performance haben
  • Durchführung von Projekten im Ursprung: Kaffeeprojekt in Kolumbien, ProPlanteurs an der Elfenbeinküste, Unterstützung kleinbäuerlicher Palmölbauern in Westafrika mit Solidaridad
  • Überprüfung der Wirksamkeit unserer Maßnahmen im Rahmen unserer Ursprungs- bzw. Lieferkettenprojekte

Engagement für Kleinbauern

Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Geschäftspartnern zusammen – von kleinen, familiengeführten Unternehmen bis hin zu größeren, global agierenden Unternehmen. Wir wissen, dass vor allem Kleinbauern vor zahlreichen spezifischen Herausforderungen stehen. Faktoren, wie der Klimawandel, unvorhersehbare Wetterbedingungen, internationale Energiepreise oder fehlender Marktzugang können gravierende Herausforderungen darstellen. Viele Kleinbauern sind oft nicht in der Lage, ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen. Wir sind bereits an Projekten und Initiativen beteiligt, die Kleinbauern bei diesen Herausforderungen helfen sollen, wie unter anderem unser Kaffee-Projekt in Kolumbien (unterstützt durch die Hanns R. Neumann Stiftung), dem PRO-PLANTEURS Projekt des Forum Nachhaltiger Kakao oder den Mitgliedschaften im World Banana Forum sowie der Juice CSR Platform. Wir werden diese Unterstützung auch zukünftig fortführen und um weitere Maßnahmen ausbauen.

Engagement für die Gleichstellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

ALDI vertritt die Ansicht, dass alle ArbeitnehmerInnen fair behandelt werden sollen. Wir tolerieren daher keine Form der Diskriminierung und verpflichten uns, die Gleichstellung der Geschlechter in den Lieferketten zu erreichen. Frauen stellen in vielen Lieferketten die Mehrheit der Beschäftigten dar und können deshalb unverhältnismäßig stark von Problemen betroffen sein. Zu diesen Problemen können u.a. die Ungleichbehandlung, die Gefahr geschlechtsspezifischer Diskriminierung bei Löhnen und Arbeitsbedingungen sowie der begrenzte Zugang zu Land und Bildung gehören. Die Identifizierung von Lieferketten mit einem hohen Risiko der geschlechtsspezifischen Diskriminierung war ein wichtiger Teil unserer menschenrechtlichen Risikobewertung in den Lieferketten. Mit der Durchführung von Human Rights Impact Assessments werden wir weiter versuchen, die Auswirkungen unserer Aktivitäten auf Arbeitnehmerinnen zu verstehen. Darüber hinaus werden wir unsere Lieferanten sensibilisieren, indem wir das Thema in unseren Abfragen berücksichtigen, um geschlechterspezifische Daten zu aggregieren. Wir werden diese und weitere geschlechterspezifische Daten für unsere Hochrisiko-Lieferketten systematisch auswerten und öffentlich über die Ergebnisse informieren.

In unseren Textilversorgungsketten haben wir beispielsweise festgestellt, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter aufgrund finanzieller Zwänge und fehlender alternativer Betreuungsmöglichkeiten auf Kinderbetreuungsdienste angewiesen sind. Durch unser Förderungsprojekt für Fabriken (ALDI Factory Advancement Projekt PLUS) unterstützen wir unter anderem die Verbesserung der internen Kinderbetreuungsangebote. Um unsere Bemühungen zu unterstreichen und die Rolle von Frauen innerhalb unserer Lieferketten sowie in unserer Unternehmensgruppe zu stärken,  haben wir die UN Women's Empowerment Principles unterzeichnet und werden noch in 2021 eine Gender-Richtlinie veröffentlichen.

Engagement für die Beendigung von Kinder- und Zwangsarbeit

Weltweit sind immer noch viele Menschen von Kinder- und Zwangsarbeit betroffen, die meisten von ihnen im privaten Sektor – sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft. Diese Menschenrechtsverletzungen stellen für uns ein fundamentales Risiko dar, das wir dauerhaft angehen wollen. In unseren Produktionsstätten führen wir deshalb regelmäßig Bewertungen durch, um negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu erkennen und sobald nötig Abhilfe zu schaffen. Darüber hinaus wird unser Engagement durch Zertifizierungen, zu deren Anforderungen die Verhinderung von Kinder- und Zwangsarbeit gehören, ergänzt. Um uns deutlich zu positionieren und die Relevanz dieser Themen hervorzuheben, haben wir eine Richtlinie zum Umgang mit Kinderarbeit sowie eine Richtlinie zum Umgang mit Zwangsarbeit entwickelt.

Diese Richtlinien werden sowohl für unsere Non-Food- und Textil-Lieferketten als auch für unsere Lebensmittel-Lieferketten gelten. Mit unserer Richtlinie gegen Zwangsarbeit verfolgen wir einen proaktiven Ansatz zur Verhinderung von Zwangsarbeit, z.B. werden wir Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Wanderarbeiter nicht für den Erhalt eines Jobs zahlen müssen (Employer Pays Principle).

Unterstützung europäischer Rahmenbedingungen und partnerschaftliches Engagement

Zur erfolgreichen Bewältigung systemischer Herausforderungen in komplexen Lieferketten wollen wir noch einen Schritt weitergehen. Unser langjähriges Engagement und die Zusammenarbeit mit diversen Interessengruppen haben verdeutlicht, dass Arbeitsbedingungen innerhalb von Lieferketten am besten im Rahmen gemeinsamer Initiativen und Partnerschaften verbessert werden können. Wir setzen uns kontinuierlich für Menschenrechte in Initiativen, Verbänden und in unseren Geschäftsbeziehungen ein. Daher unterstützen wir dauerhaft tragfähige Lösungen, die ein Zusammenwirken aller relevanten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure voraussetzen. In unserem Positionspapier fordern wir einen mindestens europäischen gesetzlichen Rahmen zur Umsetzung einer klar definierten, praxistauglichen und langfristig wirksamen unternehmerischen Sorgfaltspflicht zur Achtung der Menschenrechte. Eine verbindliche Gesetzgebung schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen und sorgt dafür, dass die Einhaltung der Menschenrechte entlang der Lieferkette nicht verhandelbar ist. Darüber hinaus haben wir mit weiteren Unternehmen die Erklärung des Business & Human Rights Resource Centre unterzeichnet, in dem Gesetzesinitiativen zu menschenrechtlicher und ökologischer Sorgfaltspflicht auf europäischer Ebene unterstützt werden.

Wir sind bereits an produktspezifischen Multi-Stakeholder-Initiativen beteiligt und verpflichten uns bis 2021 zum Beitritt einer weiteren MSI, die sich auf die Arbeitsbedingungen in Risiko-Lieferketten fokussiert.

Bereits jetzt engagieren wir uns in warenspezifischen Multi-Stakeholder-Initiativen, wie zum Beispiel:

  • Forum Nachhaltiger Kakao
  • Beyond Chocolate
  • World Banana Forum
  • Fruit Juice CSR Platform
  • Bündnis für nachhaltige Textilien (Textilbündnis)
  • Bangladesh Accord on Fire and Building Safety
  • GIZ Arbeitsgruppe des deutschen Einzelhandels zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen
  • IDH Roadmap on Living Wages
  • Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)

Freiwillige Selbstverpflichtung zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen

Existenzsichernde Löhne und existenzsichernde Einkommen sind ein integraler Bestandteil der Menschenrechte und sind unerlässlich, wenn wir Ungleichheit bekämpfen und Armut beseitigen wollen. Wir erkennen an, dass die von Kleinbäuerinnen und -bauern und Arbeiterinnen und Arbeitern entlang globaler Lieferketten erzielten Einkommen und Löhne oft nicht ausreichen, um einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Wir wissen, dass es zwischen gesetzlichen Mindestlöhnen bzw. real gezahlten Löhnen und einem existenzsichernden Lohn bzw. Einkommen eine Differenz geben kann, häufig mit menschenrechtlichen Auswirkungen.

Daher werden wir uns bemühen, dauerhafte Veränderungen in unseren globalen Lieferketten zu schaffen, indem wir unsere verantwortungsvollen Einkaufspraktiken stärken, die einen direkten Einfluss auf Arbeitsbedingungen, Löhne und Einkommen haben und indem wir die Transparenz und Rückverfolgbarkeit unserer Lieferkette erhöhen. Pilotprojekte, wie z. B. die Zahlung von Prämien oder Projekte zur Einkommensdiversifizierung, werden dazu beitragen, einen angemessenen Lebensstandard für Arbeiterinnen und Arbeiter sowie für Kleinbäuerinnen und -bauern und ihre Familien zu gewährleisten.

Wir sind uns außerdem bewusst, dass Kollektivverhandlungen bei der Festlegung existenzsichernder Löhne sowie bei der Schließung von Lohnunterschieden eine zentrale Rolle spielen können. Zukünftig möchten wir Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Lieferketten fördern.
Um unser Engagement zu unterstreichen und die Haltung von ALDI zu verdeutlichen, haben wir ein Internationales Positionspapier zu existenzsichernden Löhnen und existenzsichernden Einkommen entwickelt, das unternehmensweite Akzeptanz und Relevanz hat.

Neben dem ALDI Positionspapier zu existenzsichernden Löhnen und existenzsichernden Einkommen sind wir Teil der GIZ-Arbeitsgruppe des deutschen Einzelhandels, weil wir der festen Überzeugung sind, dass eine effektive und nachhaltige Lösung Zusammenarbeit und gleiche Wettbewerbsbedingungen braucht.  

In diesem Zusammenhang haben wir im Jahr 2020 eine Selbstverpflichtung zur Förderung existenzsichernder Einkommen und existenzsichernder Löhne unterzeichnet. Zu den in der Selbstverpflichtung vereinbarten Schritten gehören die Berechnung von Einkommens- und Lohnlücken sowie die Umsetzung nachhaltiger Einkaufspraktiken gemeinsam mit Einkäufern und Lieferanten.

Zusätzlich zu unserem Engagement in unseren Food-Lieferketten engagiert sich ALDI seit 2019 aktiv in der Initiative des Textilbündnisses zu existenzsichernden Löhnen. Im Rahmen dieser Initiative arbeiten wir an der nachhaltigen Verbesserung unserer Einkaufspraktiken, um den Produktionsstandorten den Raum für substanzielle und kontinuierliche Lohnsteigerungen zu geben.

Wir werden regelmäßig über unsere Maßnahmen zur Erreichung der Selbstverpflichtung informieren, zum Beispiel über unsere Tony's Open Chain Schokolade.  Bis 2022 wollen wir weitere substanzielle Fortschritte bei der Schließung der Lücke zu einem existenzsichernden Lohn in zwei weiteren Hochrisiko-Lieferketten (Orange, Banane) erzielen und darüber berichten.

Beschwerdemechanismen

Beschwerdemechanismen sind ein geeignetes Mittel zur frühzeitigen Identifizierung nachteiliger Auswirkungen. Als letzte Stufe von komplexen Wertschöpfungsketten sehen wir uns jedoch mit besonderen Herausforderungen bezüglich der individuellen Umsetzung in den Herstellungsländern der von uns gehandelten Waren konfrontiert. Dieser Aufgabe stellen wir uns, indem wir mit den Human Rights Impact Assessments zunächst potentielle Barrieren ermitteln, mit denen Arbeitnehmer beim Zugang zu Beschwerdemechanismen und Abhilfemaßnahmen konfrontiert sind. Wir wollen künftig Konzepte für Pilotprojekte entwickeln, die in relevanten Lieferketten den Zugang zu Beschwerdemechanismen verbessern. Um vertrauensvolle Beschwerdemechanismen zu etablieren und einen vertiefenden Austausch über Arbeitsbedingungen in Lieferketten zu fördern, werden wir uns aktiv am Dialog mit Gewerkschaften beteiligen. Unser Ziel ist es wirksame Maßnahmen zur Überwindung von Barrieren, denen ArbeitnehmerInnen bei der Ausübung der Vereinigungsfreiheit und ihres Rechts auf Kollektivverhandlungen ausgesetzt sind, zu ergreifen.  In unserer Strategie haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2025 Beschwerdemechanismen in unseren Hochrisiko-Lieferketten zu etablieren, die den Anforderungen der UNGPs entsprechen. Wir verpflichten uns, bereits bis Ende 2022 über die Erkenntnisse aus den Projekten zu berichten, die wir gemeinsam mit anderen Einzelhändlern und Partnern in globalen Lieferketten durchführen. Darüber hinaus arbeiten wir mit anderen Stakeholdern an der Einrichtung institutioneller Beschwerdemechanismen - z.B. durch unsere Mitgliedschaft im Textilbündnis.

Berichterstattung und Transparenz

Transparenz ist ein wesentlicher Baustein menschenrechtlicher Sorgfalt dar. Bereits heute kommunizieren wir bestehende Maßnahmen z. B. im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsberichts oder auf der Webseite. Zukünftig möchten wir noch offener über Menschenrechtsrisiken sowie unsere Maßnahmen kommunizieren und Informationen zu Herausforderungen und Erkenntnissen veröffentlichen.

Im nächsten Schritt wollen wir geschlechterspezifische Daten dreier Hochrisiko-Lieferketten und Daten über die Differenzen zwischen ausgezahlten Einkommen und existenzsichernden Löhnen veröffentlichen. Diese Daten werden im Rahmen der HRIA und mit Hilfe von Studien erhoben, die wir gemeinsam mit externen Dienstleistern durchführen wollen. Schrittweise wollen wir außerdem unsere Hochrisiko-Lieferketten transparenter machen. Wir verpflichten uns, bis 2021 die Herkunftsländer und bis Ende 2022 die Namen und Adressen der Tier 1 Lieferanten unserer Hochrisiko-Lieferketten aus dem Food-Bereich zu veröffentlichen. Bis 2027 wollen wir dann alle relevanten Wertschöpfungsstufen für sechs unserer Hochrisiko-Lieferketten öffentlich zugänglich machen. Wir werden mit einer Lieferkette beginnen und die Transparenz in den kommenden Jahren auf die übrigen Lieferketten ausweiten.   

Kontinuierliche Verbesserung

Uns ist bewusst, dass es sich bei der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt um einen stetigen Entwicklungsprozess handelt. Daher überprüfen wir unsere entsprechenden Prozesse und Instrumente regelmäßig.

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