Menschenrechte

Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte bei ALDI Nord

Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte

ALDI Nord ist sich als Teil der globalen Wertschöpfungsketten seiner Verantwortung für die Achtung von Menschenrechten bewusst. Wir sind davon überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg auf Dauer nur dann möglich ist, wenn Menschenrechte anerkannt und geschützt werden. In diesem Zusammenhang bildet die Verabschiedung des Nationalen Aktionsplans „Wirtschaft und Menschenrechte“ durch die Bundesregierung unserer Meinung nach einen wichtigen Meilenstein.

Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht von ALDI Nord

Grundsatzerklärung

Um als Unternehmen der Sorgfaltspflicht gerecht werden zu können, sind eine klare Ausrichtung sowie eine Verankerung auf Ebene der Unternehmensführung notwendig. Wir haben deshalb gemeinsam mit ALDI SÜD eine Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte (PDF, 42 KB) verfasst, mit der wir zum Ausdruck bringen, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen.

Darüber hinaus dienen bereits seit Jahren unsere verbindliche CR-Policy sowie unsere Zusatzvereinbarung Sozialstandards uns und unseren Geschäftspartnern als feste Richtlinien zur Umsetzung einer nachhaltigen Lieferkette. Sie definieren unter anderem unsere Erwartungen an soziale Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Achtung von Menschenrechten innerhalb der Produktionsprozesse unserer Produkte. Zudem verweisen wir darin auf international und national geltende Menschenrechtswerke und führen Verantwortlichkeiten auf.

„Wir begrüßen es sehr, dass sich ALDI Nord in einer separaten Erklärung zur Achtung der Menschenrechte bekennt. Die kontinuierliche Umsetzung von Prozessen menschenrechtlicher Sorgfalt in der eigenen Geschäftstätigkeit sowie entlang der Geschäftsbeziehungen in der Wertschöpfungskette ist eines der Kernziele der 10 Prinzipien des UN Global Compact und der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.“

Marcel Engel, Leiter der Geschäftsstelle Deutsches Global Compact Netzwerk

Ermittlung potentiell negativer Auswirkungen

Uns ist bewusst, dass die Produktion von Waren entlang der komplexen Lieferketten nachteilige Auswirkungen auf Menschenrechte haben kann.  Im Rahmen unseres Bekenntnisses zu den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen (UNGP) kommen  wir unserer Sorgfaltspflicht nach, Maßnahmen zu ergreifen, um nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte in unseren Lieferketten zu mindern. Daher ermitteln wir fortlaufend Menschenrechtsrisiken. Dies tun wir unter anderem durch kontinuierliche Recherchen und Hotspot-Analysen. Zusätzlich beziehen wir Einschätzungen externer Experten in unsere Überlegungen mit ein, beispielsweise durch eine umfassende Stakeholder-Befragung.

Im Bereich Non-Food verschaffen wir uns regelmäßig ein Bild von Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten in Risikoländern. Dies erfolgt mit Hilfe flächendeckender Sozialaudits und Zertifizierungen, die durch externe Dienstleister durchgeführt werden sowie eigener Produktionsstätten-Assessments, den sogenannten ALDI Social Assessments (ASAs), die unsere spezialisierten Mitarbeiter vor Ort  im direkten Dialog mit den Lieferanten durchführen. Darüber hinaus reisen wir selbst in die Produktions- und Ursprungsländer der Waren. Vor Ort treten wir mit Stakeholdern sowie potenziell Betroffenen in den Austausch, um Missachtungen der Menschenrechte besser identifizieren und frühzeitig verhindern zu können.

Menschenrechts-Risikoanalyse

Auch im Food-Bereich legen wir als Lebensmittelhändler einen besonderen Fokus darauf, Menschenrechtsrisiken entlang unserer Lieferketten zu ermitteln. Aus diesem Grund steigern wir die Anzahl an Sozialaudits für Food-Artikel, die wir eigenständig sowie mit Hilfe externer Unternehmen durchführen. Mit einem unabhängigen und auf Nachhaltigkeit spezialisierten Dienstleister haben wir die Menschenrechtsrisiken in unseren Food-Lieferketten nun auch flächendeckend beleuchtet. Ziel dieser Risikoanalyse war es, für die gesamte Unternehmensgruppe Menschenrechtsrisiken innerhalb unserer Lieferkette auf globaler Ebene zu identifizieren und gleichzeitig zu erkennen, wo wir den größten Einfluss nehmen können. Im Rahmen der Analyse wurde die gesamte Lieferkette untersucht, mit besonderem Fokus auf den Ebenen der Rohstofferzeugung als auch der Endfertigung.

Als Basis für die Erhebung dienten interne Daten, wie Einkaufsvolumina und Standorte der Erzeuger- und Produktionsstätten sowie globale Handelsdaten der Branche. Zudem wurden zahlreiche anerkannte Indizes und Auswertungen wie der Global Slavery Index, der Environmental Performance Index oder der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International einbezogen.

Im Zuge der Menschenrechts-Risikoanalyse wurden sowohl soziale als auch ökologische Menschenrechtsrisiken entlang den Lieferketten ermittelt. Für jedes Produktions- bzw. Ursprungsland unserer Waren wurde eine Gesamtrisikobewertung vorgenommen. Umweltrisiken wie Klimaanfälligkeit, Wasserknappheit und industrielle Verschmutzung waren ebenfalls Teil der Analyse, da sie indirekt Auswirkungen auf Menschenrechte haben können.

Folgende acht Indikatoren wurden in der Analyse betrachtet:

Soziale Risiken

Arbeitnehmerrechte: Risiko, dass Arbeitnehmerrechte verletzt werden, zum Beispiel durch Überschreitung zulässiger Arbeitszeiten, niedrige Löhne, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Mobbing, Belästigung und Missbrauch, Diskriminierung oder Einschränkung der Versammlungsfreiheit.

Geschlechterdiskriminierung:
Bewertet die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen und das Risiko einer möglichen geschlechtsspezifischen Diskriminierung, zum Beispiel durch Missbrauch aufgrund des Geschlechts oder Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bezug auf Lohn und Arbeitsbedingungen.

Kinderarbeit:  Risiko, dass Kinder eine Arbeit verrichten, die sich negativ auf ihre Gesundheit und Entwicklung auswirkt oder die Beschäftigung von Kindern im schulpflichtigen Alter.

Zwangsarbeit: Formen der modernen Sklaverei und des Menschenhandels, zum Beispiel durch Ausübung von Druck, Einbehalten von Löhnen oder andere Formen der Nötigung.

Umweltrisiken

Wasserknappheit: Wasserbedarf übersteigt die Verfügbarkeit eines Landes. Damit einher geht der eingeschränkte Zugang zur Wasserversorgung – insbesondere für den persönlichen Bedarf.

Klimaanfälligkeit: Bewertet das aktuelle und zukünftige Risiko eines Landes, extremen Wetterereignissen ausgesetzt zu sein. Zugleich wurde die Bereitschaft des privaten und öffentlichen Sektors, in Anpassungsmaßnahmen zu investieren, beurteilt (zum Beispiel bei Dürre, Flut oder Hurrikan).

Entwaldung / Flächenumwandlung: Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Land Produkte auf Flächen produziert werden, die kürzlich aus Waldflächen mit hohem Erhaltungswert umgewandelt wurden. Dadurch werden Waldflächen zerstört.

Industrielle Verschmutzung: Durch die Herstellung der Produkte entstehende industrielle Verschmutzung, die zu Luft-/Wasserverschmutzung, (chemischen) Abfällen und Lärmbelastung führt.

Menschenrechte von ALDI Nord
Menschenrechte von ALDI Nord

Die Grafiken zeigen für ALDI wichtige Rohstoffe und Warengruppen, die ein hohes Risiko für Menschenrechtsverletzungen aufweisen und somit als besonders relevant bewertet wurden:

-    Rohstoffebene: 1. Kakao, 2. Kaffee, 3. Nüsse und 4. Südfrüchte
-    Produktionsebene: 1. Fisch und Meeresfrüchte, 2. Obst & Gemüse-Konserven und-TK, 3. Dressing, Öle, Soßen, Gewürze und Kräuter

Maßnahmen und Überprüfung der Wirksamkeit

Wir sehen die Risikoanalyse als weiteren Ausgangspunkt, um wesentliche potenzielle Menschenrechtsrisiken entlang unserer Lieferketten zu identifizieren und entsprechende Schwerpunkte bei unserer weiteren Arbeit zu setzen.

Wir werden daher einen besonderen Fokus auf die durch die Analyse ermittelten Risikorohstoffe Kaffee, Kakao, Nüsse und Südfrüchte in den relevanten Ursprungsländern legen. Im Bereich Südfrüchte fokussieren wir uns vor allem auf Bananen. Anschließend werden wir im Rahmen einer internationalen Responsible- Sourcing-Strategie gezielt Maßnahmen erarbeiten. Zukünftig werden wir uns zusätzlich zu unseren bisherigen Aktivitäten zur Prävention menschenrechtlicher Risiken in besonders risikobehafteten Bereichen noch stärker engagieren.

Wir setzen bereits heute eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen zur Reduzierung von Menschenrechtsrisiken in unseren Food- sowie Non Food-Lieferketten um:

•    Schulung relevanter Mitarbeiter
•    Berücksichtigung etablierter Auditierungs- und Zertifizierungsstandards beim Einkauf sowie Definition von Zielen, beispielsweise in unseren Einkaufspolitiken (Lieferkette)
•    Qualifizierung von Produktionsstätten im Rahmen des ALDI Factory Advancement Project (AFAP)
•    Lieferanten-Schulungen
•    Lieferantenbewertung und ggf. Ausschluss von Lieferanten oder Erzeugern als letzte Maßnahme
•    Anpassung von Einkaufsprozessen: Die Berücksichtigung von Menschenrechtsaspekten erfolgt bereits in der Ausschreibung (Intensivierung der Zusammenarbeit mit Lieferanten, die eine gute CR-Performance haben)
•    Durchführung von Projekten im Ursprung: Kaffeeprojekt in Kolumbien, ProPlanteurs an der Elfenbeinküste, Unterstützung kleinbäuerlicher Palmölbauern in Westafrika
•    Überprüfung der Wirksamkeit unserer Maßnahmen im Rahmen unserer Ursprungs- bzw. Lieferkettenprojekte

Unserer Erfahrung nach können Arbeitsbedingungen innerhalb von Lieferketten am besten im Rahmen gemeinsamer Initiativen und Partnerschaften verbessert werden – insbesondere wenn die Probleme systemisch bedingt sind und Lieferketten mit vielen anderen Unternehmen geteilt werden. Wir engagieren uns daher in warenspezifischen Multi-Stakeholder-Initiativen, wie zum Beispiel:

•    Forum Nachhaltiger Kakao
•    Global Coffee Platform
•    Fruit Juice CSR Platform
•    World Banana Forum
•    Textilbündnis
•    Bangladesh Accord on Fire and Building Safety

Über die Fortschritte unseres Engagements zur Achtung und Einhaltung der Menschenrechte informieren wir regelmäßig.

Beschwerdemechanismen

Beschwerdemechanismen sind ein geeignetes Mittel zur frühzeitigen Identifizierung nachteiliger Auswirkungen. Als letzte Stufe von zum Teil komplexen Wertschöpfungsketten sehen wir jedoch besondere Herausforderungen bezüglich der individuellen Umsetzung in den Herstellungsländern der von uns gehandelten Waren. Dieser Aufgabe möchten wir uns stellen, indem wir Konzepte entwickeln, die in relevanten Lieferketten den Zugang zu Beschwerdemechanismen verbessern. Zusätzlich setzen wir uns gemeinsam mit anderen Beteiligten für die Etablierung von Beschwerdemechanismen ein – beispielsweise im Rahmen unserer Mitgliedschaft im Textilbündnis.

Berichterstattung

Transparenz stellt einen wesentlichen Baustein menschenrechtlicher Sorgfalt dar. Bereits heute kommunizieren wir bestehende Maßnahmen z. B. im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsberichts oder auf unserer Webseite. Zukünftig möchten wir noch offener über Menschenrechtsrisiken sowie unsere Maßnahmen kommunizieren.

Kontinuierliche Verbesserung

Uns ist bewusst, dass es sich bei der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt um einen stetigen Entwicklungsprozess handelt. Daher überprüfen wir unsere entsprechenden Prozesse und Instrumente regelmäßig.

Dieser Artikel ist bereits im Markt erhältlich.

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